25.01.2019 19.30 Uhr – Zwischen Nidden und Narwa:  Meteoritenkrater, Kugelsandsteine und Kuckersit

01_gfg_aushang_obstDie Küsten der baltischen Länder bieten interessante Einblicke in vielfältige geologische Ablagerungen und Prozesse seit dem Kambrium vor fast 550 Millionen Jahren bis heute. Von Süden nach Norden nimmt das Alter der aufgeschlossenen Erdschichten zu. Während auf der Kurischen Nehrung im ostpreußischen Teil Litauens junge, nacheiszeitliche Wanderdünen in Bewegung zu beobachten sind, zeigen die nordlettischen Küsten an der Rigaer Bucht sandige Deltaablagerungen des Devons in rötlich-bunten Farbtönen und mit kugeligen Konkretionen.

Die estnischen Ostseeinseln Ösel (Saaremaa) und Dagö (Hiiumaa) sind wie ihre schwedischen Schwestern Gotland und Öland aus silurischen bzw. ordovizischen Kalk- und Mergelsteinen aufgebaut, wenn auch in unterschiedlicher Fazies und mit verschiedener Fossilführung. Beeindruckend sind die markanten Schichtstufen des Baltischen Glints, die sich östlich der Inseln entlang der Nordküste Estlands bis nach Russland verfolgen lassen. Neben Kalksteinbrüchen zeugen riesige Halden von dem untertägigen und übertägigen Abbau von Kuckersit, einem rotbraunen, schiefrigen Sedimentgestein, welches brennbar ist und aus dem seit über einhundert Jahren Öl gewonnen wird.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch mehrere Meteoritenkrater, die im Norden Estlands dokumentiert sind. Teilweise wurde ihre Existenz nur anhand brekziierter Gesteine als Lokalgeschiebe vermutet. Aber in den letzten Jahrzehnten konnten sie durch Bohrungen und seismische Untersuchungen in der Ostsee sicher belegt und datiert werden. Nur der 16 m tiefe Kaali-Krater mit seinem markanten Erdwall von 110 m Durchmesser und einem mit Wasser gefüllten See in der Mitte ist auch an der Oberfläche als Impaktstruktur erkennbar, die erst nach dem Abschmelzen des Skandinavischen Inlandeises vor ca. 10.000 Jahren entstand.

Der Greifswalder Geologe Dr. Karsten Obst hat über 1.500 km der baltischen Küsten bereist und wird die geologischen Besonderheiten mit zahlreichen Landschaftsaufnahmen und Detailfotos in Szene setzen und dabei die geologische Entwicklung des Baltikums erläutern. Der Vortrag findet im Rahmen der „Greifswalder Geowissenschaftlichen Abende“ am Freitag, den 25. Januar 2019 um 19.30 Uhr an der Universität Greifswald, im Hörsaal der Geologie (Friedrich-Ludwig-Jahn-Str. 17a) statt.

Mit freundlichen Grüßen

Karsten Obst

 

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