20.02.2026 19:30 Uhr – Natursteine und mineralische Rohstoffe in Mecklenburg-Vorpommern aus historischer Perspektiv
Das Norddeutsche Tiefland ist ein Gebiet, in dem es kaum geeignete Natursteine für den Werksteinbau oder Rohstoffe für montanen Bergbau gibt. Als die deutschen Einwanderer im 12./13. Jahrhundert den südlichen Ostseeraum besiedelten, brachten sie mit dem Backsteinbau eine geeignete Technologie mit, die es erlaubte, feste Gebäude zu errichten. Mit Geschiebelehm, Holz und Torf gab es ausreichend geeignete Rohstoffe. Konnte man in den Anfangsjahren noch auf schier unerschöpfliche Vorkommen eiszeitlicher Geschiebe zur Errichtung von Fundamenten und Mauern zurückgreifen, gingen diese, wie die Holzvorräte in der Nähe der Städte aufgrund exzessiver Nutzung bald zur Neige.
Bereits zu Beginn der deutschen Ostsiedlung wurde Kalkstein von der Insel Gotland, der Drehscheibe des hanseatischen Handels in der Ostsee, zur Herstellung von Kalkmörtel eingeführt. Neben dem Rohkalk, der erst am Zielort gebrannt wurde, führte man auch Werksteine, Grabplatten und Taufsteine von dort ein. Dieser Handel dehnte sich auf Öland, Schonen und Dänemark aus, von wo man ebenfalls Kalkstein importierte. Immer limitiert durch die Transportkapazitäten und fast ausschließlich auf dem Seeweg, kamen seit dem Mittelalter Natursteine auch aus dem Westen, z.B. vom Weserbergland, aus dem Rheinischen Schiefergebirge und selbst aus frankophonen Ländern. Alternativlos war auch die Einfuhr von Mühlsteinen sowie Wetz- und Schleifsteinen, ohne die ein Gemeinwesen nicht funktionieren konnte.
Wurden die Natursteine zumeist als Handelsgüter eingeführt, handelte es sich bei anderen ortsfremden Gesteinen um Ballast, was eindeutig für Rhombenporhyre, Strandsand und Feuersteinschotter belegt werden kann. Dr. Jörg Ansorge berichtet aus seiner langjährigen Tätigkeit in der Landesarchäologie über exotische Gesteine und seltene mineralische Rohstoffe, die es, heute weitgehend vergessen, zumindest in den Städten ermöglichten, einen vergleichbaren mitteleuropäischen Lebensstandard zu entwickeln. Sein Vortrag findet im Rahmen der „Greifswalder Geowissenschaftlichen Abende“ am Freitag, den 20. Februar 2026 um 19.30 Uhr an der Universität Greifswald, im Hörsaal der Geologie (Friedrich-Ludwig-Jahn-Str. 17a) statt.
Mit freundlichen Grüßen
Karsten Obst

Hamburger Mineralienmesse